Giftige Raupe: Eichenprozessionsspinner verunsichert Spaziergänger

Viele Spaziergänger hat Angst vor den giftigen Raupen-Haaren, doch keiner weiß Bescheid. Hier die wichtigsten Fakten.

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Milde Winter und ein warmes Frühjahr sind der Grund dafür, dass immer mehr Schädlinge aus dem Süden Europas nach Norden wandern. Deshalb kann man z.B. beobachten, dass viele Blätter der zahlreichen Eichen in Berlin und Brandenburg noch vor dem Sommer an- und abgefressen sind. Die Übeltäter sind Eichenprozessionsspinner-Raupen. Durch die Luft fliegen ihre giftigen Haare.

Seit Jahren ist ein wachsender Befall der Bäume durch den Eichenprozessionsspinner zu beobachten. In Deutschland sind infolge der Massenvermehrungen mittlerweile alle Bundesländer betroffen, am stärksten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Vorkommen werden seit Juni 2012 auch in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Saarland gemeldet.

Mehr Infos findet Ihr hier: Eichen-Prozessionsspinner

Die Nester und Gespinste des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen Allergien auslösen, auch das Nesselgift ist bei Hautkontakt gefährlich. Die sehr feinen Brennhaare der Raupe, die ein Eiweißgift namens Thaumetopoein enthalten, brechen leicht und werden bei günstiger Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen.


Warum sind die Raupenhaare so giftig?

Kommt ein Mensch mit den Brennhaaren in Berührung, kann das eine Raupendermatitis auslösen. Eine solche Hautreaktionen hält (unbehandelt) oft ein bis zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, die nicht bedeckt waren. Die Haut- und Schleimhauterscheinungen können mit Kortisolpräparaten behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika.

Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen. Hier wären Kortisonsprays und Sprays mit Bronchien-erweiternden Mitteln erforderlich. Selten ist eine stationäre Behandlung mit Kortison- oder Euphyllininfusion notwendig. Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf.

Achten Sie auf Warnhinweise in den Waldgebieten!

Der Eichenprozessionsspinner nistet hauptsächlich an Eichen, in starken Befallsjahren aber auch an einigen anderen Baumarten, insbesondere an der Hainbuche.

Die Raupenhaare sind lange haltbar, bleiben giftig und reichern sich über bis zu acht Jahre in der Umgebung an, besonders im Unterholz und im Bodenbewuchs (Gräser, Büsche, Sträucher).

Warum tut keiner etwas dagegen?

Eine Beseitigung der Raupen ist teuer. Rund 2.000 Euro kostet das Absaugen von Nestern pro Baum. Deshalb konzentrieren sich die Schädlingsbekämpfer zuerst auf Kita- und Schulhöfe.

Was tun, wenn es nach dem Baden oder Spazierengehen trotzdem juckt?

Aus eigener Erfahrung, eine Frage an einen Parkwächter bringt meist keine Information über betroffene Bäume. Meiden sie einfach Gebiete, in denen viele Eichen stehen und das Unterholz. Wenn es nach dem Spaziergang oder dem Badetag trotzdem juckt, sollten Sie ausgiebig duschen und die Kleidung sofort in die Waschmaschine stecken.